Höhlentauchen – Gasplanung

Voraussetzungen für effektives Tauchen im Team:

  • Alle Taucher im Team verwenden identische Flaschengrössen
    Ist dies nicht möglich, wird das kleinste Volumen zur Gasplanung angesetzt.
  • Alle Taucher im Team verwenden identische Gase
    Dekompressionszeiten und Gaswechsel sind im Team synchron
  • Legt der erste Taucher im Team eine Stage ab, legen alle anderen Taucher im Team die Stage ab.

Gasplanung:

  • Rückengerät: spätestens nach 1/3 wird gedreht
    Bei identischem Luftverbrauch im 2-er Team kommt man bei Ausfall eines Rückengerätes mit leeren Flaschen beim Ausgang an. Somit müssen zusätzliche Sicherheitsreserven eingeplant werden!Empfehlung:
    Zu Beginn sollte nach 1/6-Regel getaucht werden (Intro Cave/HT2-Niveau).
    Im 2er-Team ist die 1/4-Regel genug, d.h. 1/4 rein und 1/2 Reserve.
  • Rückengerät plus 1x 80cuf (11 lt)- Stage:
    A) Rückengerät ist Sicherheit, gedreht wird nach 1/2-Stage +10bar. Dies entspricht bei D12 als Rückengerät der 1/6-Regel.
    B) Rückengerät und Stage werden geatmet.
    Stage wird nach 1/2+10bar abgelegt. Aus dem Rückengerät wird nun der restliche erlaubte Gasverbrauch bis zum 1/3 entnommen.

    Bei D12 sieht die Rechnung wie folgt aus:
    Gasvorrat: 7000 lt -> 2300 lt bis max. Eindringtiefe
    Verbrauch: 1000 lt aus Stage plus 1300 lt = 55 bar aus Rückengerät.
    Persönlich tauche ich dann die 1/4 Regel (50 bar) aus dem Rückengerät
    Bei Ausfall eines Rückengerätes kommt man auf dem Rückweg (in der Höhle) an weiteres Gas ran, die Stage-Flasche. Diese enthält ca. 1000 lt-Gas. Dieses Gas erhöht den Spielraum auf dem Rückweg, den nun hat jeder Taucher wieder Atemgas bis zum Ausgang, d.h. es wird nicht der berechnete Sicherheits-1/3 für das Tauchen bis zum Ausgang benötigt – falls beide Stages funktionieren.

    In Zahlen (Annahme gleicher Luftverbrauch bei beiden Taucher im Team und der Luftverbrauch steigt nicht an).
    Gasverbrauch Rückweg bis Stage: 2×1300 lt = 2600 lt (hier sind noch 900 lt im Rückengerät)
    Gasverbrauch Rückweg bis Ausgang: 2×2300 lt = 4600 lt
    Gasvorrat im Rückengerät: 3480 lt plus Gasvorrat in den Stages: 2400 lt

    Der Ausfall einer Stage wäre verkraftbar. Rechnerisch müsste aber für min. 100 lt Wechselatmung betrieben werden. Somit lieber etwas früher drehen und Sicherheitsmargen einrechnen!

    Legt man die Stage nach 1/3 ab, suche ich noch ein Szenario bei dem ich das Reservedrittel verwenden kann. Hinweise sind willkommen.

  • Rückengerät plus 2x 80cuf (11 lt)- Stage:
    A) Rückengerät ist Sicherheit. Erste Stage wird nach 1/2+10bar abgelegt.
    Bei der Verwendung eines D12 entspricht dieses Vorgehen in etwa der 1/4-Regel (genauer 1/4.6)
    B) Rückengerät wird ebenfalls verwendet.
    Diese Variante gibt es bei mir nicht. Rechnerisch würden 40 bar (ca. 1/6) zur Verfügung stehen. Da die Distanz bis zum Ausgang weit ist, habe ich lieber mehr Sicherheitsgas zur Verfügung.
  • Rückengerät plus 3x 80cuf (11 lt)- Stage:
    Rückengerät ist Sicherheit. Erste und zweite Stage wird jeweils nach 1/2+10bar abgelegt.
    Bei der Verwendung eines D12 entspricht dieses Vorgehen in etwa der 1/4-Regel (genauer 1/3.8)
  • Rückengerät plus 4x 80cuf (11 lt)- Stage:
    Rückengerät ist Sicherheit. Erste, zweite und dritte Stage wird jeweils nach 1/2+10bar abgelegt.
    Bei der Verwendung eines D12 entspricht dieses Vorgehen in etwa der 1/3-Regel (genauer 1/3.4)
    Wer mit 4x 80cuf-Stages Strecke schwimmt …

Scooter (DPV)

Scooter bringen einem ohne Anstrengung schnell, sehr weit weg vom Ausgang. Dabei muss als Standard-Szenario der Ausfall eines Scooters berücksichtigt werden. Ohne Backup/Reserve-Scooter sollte maximal eine 80cuf-Stage ausgefahren werden, d.h. nach 1/2-Stage+10bar wird gedreht.

Beispielhafte Gasplanung an Hand der Gouffre de Cabouy, Lot:
Bei dieser Höhle existiert nach ca. 900m ein zweiter Ausgang (Gouffre de Pou Meyssen). Schwimmend benötigt man für die Stecke 75 Minuten und ca. 3000 lt Gas. Mit einem Scooter ist man in 20-25 Minuten beim zweiten Ausgang und verbraucht etwas weniger als 1000 lt. Fällt der Scooter bei der Pou Meyssen aus, kann man gemütlich mit der D12 (4800 lt) zurück schwimmen.

Für eine bestimmte Distanz ist man mit einem UW-Scooter (DPV) ca. 3x schneller und verbraucht 3-4x weniger Gas. Dreht man die Scooter-Geschwindigkeit hoch, sind die Unterschiede extremer. Die genannte Faustregel trifft z.B. beim Silent-Submersion in Stufe 5 zu, d.h. Fahrgeschwindigkeit ca. 3 km/h.

Liegt die Stecke auf Tiefe (z.B. Ressel), werden die Dekompressionszeiten um ein vielfaches länger. Das Dekompressionsgas muss in entsprechenden Mengen zur Verfügung stehen. Mit 1x 80cuf lässt sich ca. 10 Minuten im tiefen Teil hinein fahren. Der Rückweg bei einem Scooterausfall wäre dann 30 Minuten anstelle von 10 Minuten. Die Grundzeit im 50m-Bereich steigt von 20 Minuten auf 40 Minuten!

Anmerkung

Nicht anwendbar bei Schwinden (Strömung in die Höhle hinein).
Verschlechtere Sicht auf dem Rückweg, Verengungen, Dekompressionsstops und andere Unwägbarkeiten können den Gasverbrauch für den Rückweg erhöhen, dann sind grössere Sicherheitsmargen nötig um den Ausstieg zu erreichen.

Der ‚amerikanische‘ Weg ist bei jeder Gasquelle (Rückengerät, Stage) 1/3 für den Hinweg zu verbrauchen, 1/3 ist dann Rückweg und 1/3 Reserve, d.h. Stages werden nach dem Verbrauch von 1/3 auf dem Hinweg abgelegt.
Fällt das Doppelgerät beim entferntesten Punkt vom Ausgang aus, erreicht man die letzte Stage wie unter Gasplanung Rückengerät beschrieben.

Datum: Sonntag, 27. April 2008 20:08
Themengebiet: Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

2 Kommentare

  1. 1

    Hallo Urs,
    in Vorbereitung auf den Kurs bei dir, beschäftigte ich mich mit der Gasplanung.
    Beim Beispiel D12 + 2 Stage, betrachtet du die D12 als Sicherheit, wird nicht angerührt.
    Wie siehst du das beim Sidemount mit zwei 12`er + 2 Stage?
    Gleiche Handhabung-daraus höhere Sicherheit,weil ein Taucher nicht „beide“ SM Flaschen „verlieren“ kann? Oder nutzt du auch dann die SM Flaschen, gerade weil die Gefahr des gänzlichen Gasverlust ja geringer wird.?
    Beispiel: Stage sind soweit abgelegt, jetzt weiter rein und die 12`er je ein Drittel abgetaucht. Wenn jetzt ein Taucher eine! Flasche „verliert“,
    So sind insgesamt 6/3 im Zweierteam noch vorhanden.
    Danke für die Fachsimpelei.
    Gruß Sandro

  2. 2

    Hallo Sandro,

    Welches Risiko ist man bereit zu tragen?

    In deinem Beispiel erreicht der Taucher mit dem Flaschenausfall „alles leer“ die abgelegte Stage – aus dem Grund erhöhte man die Gasreserven, z.B. durch Magic Number; also schon hier dünnes Eis. Der Taucher ohne Ausfall hat noch in jeder Flasche 1/3 dabei. Alles zusammen ist nicht mehr Gas für einen langen Weg nach draussen. Der Weg von 2x 1/2 Stage.

    Jetzt ist eine der Stages ausgefallen … was nun? Taucher „ohne Gas“, d.h. mit Ausfall einer Hauptflasche erhält Stage, zweiter Taucher muss nun mit 1/3 aus jeder Flasche bis zur nächsten Stage kommen, geht Rechnerisch auch auf, d.h. 1000lt notwendig; 1680 lt dabei. Bei den nächsten abgelegten Stages, darf dann aber nichts mehr sein.

    Fazit:
    Ein Szenario das so lange gut geht bis mehr als ein Problem auftritt, was bei Unfällen üblich ist.
    Entsprechend tauche ich identische Strategie wie bei D12 BM, d.h. nur Stages atmen und die beiden Hauptflaschen als Reserve.

  3. 3

    Its such as you learn my mind! You appear to know so much about this, such as you wrote the e book
    in it or something. I believe that you can do with a few %
    to drive the message home a little bit, but instead of that, this is magnificent blog.
    A fantastic read. I will definitely be back.

  4. 4

    Very nice post. I just stumbled upon your blog and wished
    to say that I’ve truly enjoyed browsing your blog posts.
    After all I’ll be subscribing to your rss feed and I hope you write again soon!

Kommentar abgeben